Wie viel Nixon steckt in Trump?

Chaos im Weißen Haus – „Furcht“ von Bob Woodward

Bob Woodward ist kein Reporter, er ist eine Instanz. Aus der der Zeit gefallen und in der Ewigkeit gelandet. Und untrennbar mit dem Begriff Watergate verbunden.

Jetzt hat er sich dem Inneren des Weißen Hauses angenommen. In „Furcht“ oder besser „Fire and Fury“ beschreibt er die Vorgänge im Weißen Haus unter Donald Trump. Was bringt er Neues zu Tage?

Ich habe zuvor noch nie etwas von Woodward gelesen. Zwar kenne und liebe ich die Verfilmung zum Watergate-Skandal und kenne die Hintergründe, die den lügenden und vertuschenden Präsidenten Nixon zu Fall gebracht haben. Aber ist Trump der neue Nixon? Zumindest schiebe ich den Erzählstil des Buches auf die Anpassung an seinen Hauptcharakter. Denn von Gedankenführung kann man auch in diesem Buch kaum sprechen. Woodward adaptiert den schlingernden Stil Trumps und springt teils wahllos und unvermittelt von einem Thema zum nächsten. Und wer wissen will, was damit gemeint ist, der schaue sich nur die Videos zu diversen Wahlkampfveranstaltungen Trumps an.

Es hätte auch ein Artikel in der Zeit werden können

Clinton Affäre, FBI-Untersuchung und der ewige Wettstreit wer den Dicksten hat. Die Themen sind schnell umrissen.

Und ja, es ist anfänglich spannend wie ungefiltert über die Politik geredet wird. Aber schnell merkt man, dass Trump sich einfach immer gleich verhält: kindlich, jähzornig und unreflektiert. Begleitet von der großen Angst Schwäche zu zeigen und den Anspruch niemals auch nur den kleinsten Fehler einzuräumen. Da reicht aber tatsächlich auch ein Blick auf ein paar Interviews, Pressekonferenzen und seinen Twitter-Feed.

Der Leser erfährt in diesem Buch wenig Neues und die Wochenzeitung Die Zeit hätte wohl einen gehaltvolleren Artikel geschrieben, welcher weniger Zeit zum Lesen in Anspruch genommen hätte. Schade. Eine Verfilmung lohnt sich bisher nicht.

Furcht - Bob Woodward
Zum Buch: Furcht – Bob Woodward