Überlänge: Was J.R.R. Tolkien zu „Game of Thrones“ sagen würde

Womit könnte man seine Zeit besser verbringen, als sich schlappe 5000 Seiten Literatur reinzuziehen? Und dann noch „Das Lied von Eis und Feuer“? Ich sage es euch: mit einem Telefonbuch. Denn „Game of Thrones“ ist sterbenslangweilig. Und J.R.R. Tolkien hätte auch noch was zu sagen.

J.R.R. Tolkiens Schuld

Tolkien ist schuld daran, dass wir uns durch über 5000 Seiten Fantasy-Literatur wühlen müssen. Ich bin fest davon überzeugt. Denn davon ausgehend, dass jeder auch nur halbwegs echte Fantasy-Liebhaber „Herr der Ringe“ gelesen hat, gilt dies ebenso für George R. R. Martin. Und im Vorwort zum heiligen Gral der High-Fantasy-Literatur sagt Tolkien über sein eigenes Werk: „Der kritischste Leser von allen, ich selbst, findet […]: Das Buch ist zu kurz.“

Danke Tolkien. Wegen dir müssen wir uns quälen. Denn George R. R. Martin hat sich das zu Herzen genommen und mal so richtig auf die Kacke gehauen, oder seine Schreibmaschine, MacBook, whatever – er hat auf jeden Fall mächtig viel beschriebenes Papier produziert.

Das erste Buch hat noch einen schönen Aufbau. Solide Figureneinführung und mehrere auf der klassischen Heldenreise. Die Welt ist gut angelegt, denn auch in der Fantasy gilt, dass der Text das klassische „Gewebe aus Zitaten“ ist, aus „unterschiedlichen Stätten der Kultur“. Hier: Tolkien und was nach ihm kam. Das hat uns Roland Barthes gelehrt. Und Martin schöpft aus dem Vollen. Ein politisches System, mehrere Kontinente und wahnsinnig viele Herrschaftshäuser. Gespickt mit der Aussicht auf ein bisschen Magie und mächtige Drachen.

Und er schreibt gut. Ich habe das erste Buch gerne und sehr schnell gelesen.

Doch dann kommt der Niedergang. Denn auch, wenn Charaktere am laufenden Band das Zeitliche segnen, es gibt einfach zu viele! Und anscheinend hasst Martin es, wenn er nicht jedem Einzelnen eine epische Binnenerzählung widmen kann. Also tut er genau dies. Doch auch das wäre noch gar nicht das schlimmste. Nein, das schlimmste ist, dass er keine Handlung zu einem Ende führt. Diese Reihe verliert sich in einem nie endenden Cliffhanger. Und das ist nicht spannend, das ist Quälerei.

Doch vielleicht bin ich auch zu böse, denn lassen wir Grandmaster Tolkien das letzte Wort haben:

„Vielleicht ist es in einer langen Erzählung nicht möglich, jedermann an allen Stellen zu gefallen […].“